In diesem Beitrag möchte ich auf vier Monate in Südostasien zurückblicken und zu den verschiedenen Themen etwas schreiben, die mich davor, währenddessen und danach beschäftigt haben. Vielleicht könnt ihr daraus etwas für euch mitnehmen.
Tiere
Bevor es los ging, habe ich mir viele Gedanken zu den giftigen oder gefährlichen Tieren in Asien gemacht. Ich kann auch jetzt noch nicht jedes Tier richtig einschätzen, aber oftmals ist es so, dass wenn wir Menschen den Tieren nichts tun und ihnen ihren Raum lassen, den sie brauchen, passiert auch nichts. Ich glaube, der nötige Respekt hilft, um mit „fremden“ Tieren gut umgehen zu können.
Mir fällt nur eine Situation ein, wo ich wirklich Angst hatte und das war auf Koh Phangan, als ich oben auf der Dachterasse war und eine mittelgroße Schlange mir entgegen kam. Ich ließ ihr den Raum, aber für mich wirkte sie recht angriffslustig, sodass ich das Gefühl hatte, dass sie vor mir gar keine Angst hatte. Im Endeffekt ist nichts passiert, aber auch solche Situationen gehören irgendwie dazu.
Die meisten Menschen sterben jedoch durch ein anderes Tier: Durch übertragene Krankheiten der Mücke. In Asien gibt es viele, teilweise sogar sehr gefährliche Krankheiten, die durch Mücken übertragen werden. Im Vorfeld hab ich mich sehr viel damit auseinander gesetzt und wurde auch von einer Tropenmedizinerin beraten.
Neben ein paar Impfungen hatten wir auch eine Malariaprophylaxe dabei, die wir im äußersten Notfall einnehmen hätten können. Die Tabletten rein prophylaktisch zu nehmen, kam für uns nicht infrage und wird auch nicht (so mein letzter Stand) empfohlen.
Trotz Mückenspray, langer Kleidung und Moskitonetz, hatten wir beide einige Mückenstiche. Mich haben sie teilweise durch meine Hose durchgestochen und waren sogar in manchen Gebieten auch am Tag aktiv. Angst hatten wir beide deshalb trotzdem nie, nur den nötigen Respekt. Hätten wir Fieber bekommen, wären wir in jedem Fall zu einem Arzt gegangen, um uns durchzuchecken. Das gilt natürlich auch nach unserer Reise noch.
Reisen als Paar
Jannis und ich sind schon eine lange Zeit zusammen, dennoch war das unsere erste richtige gemeinsame Reise. Wir haben schnell gemerkt, dass wir sehr ähnliche Interessen haben, weshalb wir uns immer einstimmig auf Reiseziele einigen konnten. Auch unterwegs haben wir immer gut aufeinander geachtet und uns den nötigen Raum gegeben, wenn sich mal einer schlecht gefühlt hat. Oft haben wir zusammen reflektiert, was wir erlebt haben und uns gegenseitig erzählt, wie wir uns fühlen.
Trotzdem gab es natürlich immer mal wieder Unstimmigkeiten, zum Beispiel beim Essen: Ich habe mich schon länger dafür entschieden, auf Fleisch zu verzichten, während Jannis viele Spezialitäten der Länder probiert hat. Ich verstehe beide Seiten, aber manchmal ist es nicht leicht gewesen, das so zu akzeptieren. Auch die Restaurantauswahl war da manchmal nicht so leicht. Aber dazu schreib ich gleich noch mehr.
Dazu kam, dass wir wirklich 24/7 zusammen Zeit verbrachten und zusammen die gleichen Erlebnisse teilten. Ich brauchte da oft mehr Abstand und Zeit für mich allein, was wiederum für Jannis manchmal schwer war. Klar gab es manchmal Diskussionen, aber ich glaub, das ist ganz normal.
Was mir eher negativ aufgefallen ist, dass es super schwer ist, als Paar neue Menschen kennenzulernen. Ab und zu haben wir natürlich auch alleine Menschen kennengelernt, aber als Paar war es definitiv schwieriger.
Zu viel Gepäck?
Unsere Packliste kennt ihr ja vielleicht schon. Alles was wir dabei haben, ergibt für uns Sinn und mir fällt nichts ein, was wir bisher nicht benutzt oder angezogen haben. Es gab bisher auch nichts, was wir vermisst hätten, insofern sollte man vielleicht denken, dass wir perfekt gepackt haben.
Trotzdem waren wir oft diejenigen, die das meiste und schwerste Gepäck hatten. Klar, wir sind eben für jedes Wetter gewappnet und haben sogar Schlafsack und Kocher dabei, um auch draußen in der Natur zurechtzukommen. In Asien haben wir ausschließlich Leute getroffen, die nur in Asien reisen und dadurch auch viel weniger Gepäck hatten als wir.
Dennoch hatten wir jetzt oft das Gefühl, dass zu viel Gepäck uns in unserer Reisefreiheit einschränkt. Es macht einfach gar keinen Spaß mit 20kg und mehr länger als 15 Minuten zu laufen. Andererseits sind wir froh, in Neuseeland fast nichts an Winterkleidung dazu kaufen zu müssen. Es spart so ja auch Geld und Ressourcen.
Ein paar Dinge habe ich dennoch aussortiert und werde ich sicher auch noch in Zukunft aussortieren.
Abseits vom Tourismus reisen
In unserer Vorstellung erschien es uns leicht, auch abseits der Sehenswürdigkeiten und Orte zu reisen, an denen nicht alles voller Menschen war. Vor Ort stellte es sich aber als schwierig heraus, denn wir waren ausschließlich auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen, hatten eben viel Gepäck und mussten vor allem erstmal ins Reisen überhaupt hineinfinden. Am Anfang ist erstmal alles neu und das reichte uns wirklich für die ersten Monate. Dennoch gingen wir immer wieder auf einheimische Märkte und nahmen am echten Leben dort teil und mieden eher die überlaufenen Orte. Trotzdem interessierten uns auch die großen Sehenswürdigkeiten wie die Tempelanlagen, die Halong Bucht oder die Tempelstadt Angkor Wat. Im Gegensatz zu vielen anderen Touristen blieben wir deutlich länger an den verschiedenen Orten und konnten uns so jedes Mal wieder neu einleben in eine erst fremde Kultur.
Meine persönlich größte Herausforderung
Über die sozialen Medien habe ich mich schon in Deutschland viel über Asien informiert und mich auch inspirieren lassen. Was mir wirklich nicht ganz klar war, dass das Bild, das einem vermittelt wird, nicht unbedingt mit dem übereinstimmt, wie es wirklich in Asien ist. Natürlich ist das immer individuell abhängig von den Menschen und jede Wahrnehmung ist eine andere.
Ich hatte die Vorstellung, dass es in Asien leicht ist, vegan zu essen. Die Auswahl war tatsächlich nicht sehr groß und in manchen Orten gab es fast gar nichts, was der pflanzenbasierten Ernährung entsprechen würde. Ich habe dadurch wieder viel mehr Milchprodukte gegessen und mich eher vegetarisch ernährt, was aber nicht meinen eigenen Werten entspricht.
Hinzu kam, dass ich die Vorstellung hatte, dass man in Hostels in Asien eine Küche zur Verfügung hat. Ich kannte das so aus Argentinien und fand das immer so schön, weil man vor allem beim gemeinsamen Kochen mit anderen so schnell neue Menschen kennenlernen kann. Die Hostels in Asien haben keine Küche, sodass ich fast immer auf das Essen angewiesen war, was es vor Ort gab. Nach einem Monat hatten wir dann endlich eine Gaskartusche, womit wir unser eigenes Essen zwischendurch kochen konnten. Aber auch das war nicht immer möglich, da man mit einem Kocher ja draußen kocht.
Irgendwie habe ich mich arrangiert, aber es gab wirklich oft Tage, an denen mich das Thema so frustriert hat, nicht das Essen kochen zu können, was mir gut tun würde.
Jannis hingegen hatte mit diesem Thema gar kein Problem. Es ist eben ein sehr individuelles Thema.
Warum gehen wir reisen?
Diese Frage habe ich mir sehr oft gestellt und es gab immer wieder Momente, wo ich mich gefragt habe, wozu ich das eigentlich alles mache, vor allem in einer Zeit, in der Klimaschutz wichtiger denn je ist. Es entspricht eigentlich gar nicht dem, was ich vertrete und dennoch tue ich es – reisen.
Beim Schreiben über dieses Thema merke ich gerade, wie viele Gedanken ich dazu habe und denke, ich werde dazu einen eigenen Beitrag schreiben.
Vielleicht schreibt ihr mir, warum ihr reisen geht oder warum nicht. Ich würde das sehr interessant finden.
Sicherheit auf Reisen
Zu Beginn haben wir sehr auf all unsere Wertgegenstände geachtet und hatten manchmal auch ein komisches Gefühl, unsere Dinge unbeaufsichtigt zu lassen. Relativ schnell sind wir immer lockerer geworden – einfach weil wir gemerkt haben, dass uns die Menschen in Asien nichts Böses wollen. Auf den Straßen hatten wir nicht eine Situation, in der wir uns unwohl gefühlt hätten. Wir haben gelernt, immer mehr zu vertrauen und dass es das wichtigste ist, dass wir gesund sind. Ja, wir wurden auch mal abgezockt und haben dadurch Geld verloren, aber ich persönlich finde das lange nicht so schlimm, als wenn uns wirklich was blödes passiert wäre.
Generell sind wir in viele Situationen sehr ruhig reingegangen, haben uns immer weniger gestresst und uns Sorgen gemacht, weil wir gemerkt haben, dass es uns nichts bringt. Oft kann man die Situation nicht ändern, aber man kann seine Gedanken dazu ändern.
Umweltverschmutzung
Ich wusste schon lange vorher, dass ich in Asien mit dem Thema Plastik und Umweltverschmutzung mehr als in Europa konfrontiert sein würde und genauso war es auch. Es ist erschreckend, wie normal es ist, alles in Plastik zu verpacken, teilweise in Restaurants Einmalplastik zu verwenden, seinen Müll am Straßenrand zu entsorgen, für jeden kleinen Einkauf eine neue Plastiktüte zu benutzen, Wasser aus Plastikflaschen zu trinken, Obst und Gemüse in Plastik zu packen, etc. Es hat kein Ende. Und auf den Flüssen schwimmt das Plastik unbeachtet in die Meere und verursacht Schäden, die wir uns wahrscheinlich nicht mal in den schlimmsten Träumen ausmalen können. Viele Touristen scheint das nicht viel zu interessieren und sie machen fröhlich mit.
Wir nicht.
Wir haben unsere Gemüsenetze dabei, haben einen wiederverwendbaren Strohhalm, haben immer unsere eigenen Stofftaschen für Einkäufe und haben teilweise unser eigenes Wasser gefiltert.
Und trotzdem haben wir in Asien deutlich mehr Plastik benutzt als Zuhause. Das gebe ich ehrlich zu. In diesem System kommt man einfach nicht drum herum. Wenn wir unsere Wäsche zum Beispiel abgegeben haben, war sie danach in Plastik verpackt. Wenn wir im Restaurant nur ein Wasser bestellt haben, haben wir einen Plastikstrohhalm bekommen, usw. Trotzdem haben wir unser bestes gegeben. Traurig ist es natürlich dennoch. In solchen Momenten fühlt man sich einfach machtlos. Das Bewusstsein darüber ist bei diesen Menschen größtenteils noch nicht angekommen.
Aber es gab auch Gegenbeispiele. Wenn wir vegan Essen gegangen sind, haben wir immer wiederverwendbare Strohhalme bekommen, hatten Schüsseln/Teller aus Holz oder Steingut und die Zutaten waren teilweise biologisch angebaut.
Auf den Straßen fuhren selten Menschen mit dem Fahrrad, vor allem Motorräder/Mopeds und Autos waren beliebt. Vom Smog hab ich ja schon geschrieben.
Bei all dem, was ich schreibe, darf man aber auch nicht vergessen, dass Thailand, Kambodscha, Laos und Vietnam viel mit Armut zu kämpfen haben und die Menschen dort eher darum ringen, überhaupt ein einigermaßen gutes Leben zu führen. Als Reisende:r befindet man sich immer in einer privilegierten Situation.
Dennoch sind diese Probleme riesig und müssen sichtbar werden.
Verständigung
Die Kommunikation mit den Menschen vor Ort hat fast immer richtig gut geklappt. Viele können etwas englisch sprechen. Aber auch mit denen, die kein englisch gesprochen haben, konnten wir entweder per Google-Übersetzer oder mit Gesten kommunizieren.
Ein paar Worte, wie „hallo“, „danke“, „bitte“, „tschüss“, haben wir auch in der Landessprache gelernt und gesprochen, worüber sich die Menschen immer sehr gefreut haben.
Reisen planen und das Thema Geld
Wie man eine schöne Reise plant, finde ich gar nicht so leicht umzusetzen. Man war ja noch nie dort und weiß nicht, ob es einem gefällt. Wie viele Nächte bucht man also? Bucht man schon im Anschluss das Nächste oder wartet man ab, ob man nicht doch verlängern will. Was ist, wenn man zu lange bucht und es einem gar nicht gefällt?
Wir hatten irgendwie alles dabei und das war auch okay so. Wir haben oft viel Zeit damit verbracht, uns über neue Orte zu informieren, die richtigen Routen rauszusuchen, die Visa rechtzeitig zu beantragen und nebenbei noch auf unser Geld zu achten.
Wir sind beide mit ungefähr 10.000€ los gereist, was vielleicht viel klingt, aber in Wahrheit nicht viel ist. Seit dem wir reisen, schreiben wir täglich alle Ausgaben auf, die ich dann in einer Tabelle genau zusammen rechne und notiere. So haben wir seit Beginn eine Übersicht und können dadurch viel besser kalkulieren und wissen auch, was in unserem Budget ist und was nicht. Ich finde, dass uns das total dabei geholfen hat, Preise richtig einzuschätzen.
Pro Person haben wir nach 112 Tagen Asien-Reise mit Hinflug 4576,57€ ausgegeben.
Reflexion
Beim Reisen finde ich es super wichtig, immer wieder Erlebnisse zu reflektieren und sich Gedanken zu machen, was passiert ist, wie es weiter geht und was die wahren Gefühle sind. Ein Satz von einem anderen Reisepärchen hat mich dabei sehr zum Nachdenken gebracht:
„Wessen Traum lebst du eigentlich?“
Ich stelle mir immer wieder genau diese Frage. Ist es überhaupt mein Traum, den ich lebe? Oder ist mein Traum in Wahrheit ein anderer?
Dazu schreibe ich in einem anderen Beitrag mehr, denn es geht mit der Frage einher:
Warum reise ich eigentlich?
Bis ganz bald!
Eure Alva
Ein sehr schöner Blog, liebe Alva! Das Thema warum reise ich eigentlich, ist ein ganz besonders interessantes Thema! Ich weiß es oft auch nicht, aber es geht vielleicht darum Erfahrungen zu machen, die man zuhause nicht machen könnte. Aber es ist schon merkwürdig die Generation vor mir also meine Eltern sind fast nie gereist. Ich bin schon relativ viel gereist und eure Generation reist im großen und ganzen noch mehr – zumindest in den gebildeten Schichten. Aus Klimaschutzgründen werden wir diesen Lebensstil aber leider erstmal nicht aufrecht erhalten können. Schade, aber da bräuchte es erstmal noch andere Fortbewegungstechniken. 🤷🏻♀️
Dankeschön! Sehr spannend, das zu lesen.