Kambodscha

„Es gibt ein großes und doch ganz alltägliches Geheimnis. Alle Menschen haben daran Teil. Jeder kennt es. Aber die wenigsten denken je darüber nach. Die meisten Leute nehmen es einfach so hin und wundern sich kein bisschen darüber. Dieses Geheimnis ist die Zeit.“ – Michael Ende

In Kambodscha blieben wir nur für ein paar Tage. Wir kamen kurz vor dem Jahreswechsel in Kambodscha an. Das sogenannte Khmer-Neujahr wird drei Tage lang gefeiert und fand dieses Jahr vom 14. bis zum 16. April statt. Das, was man davon am meisten mitbekommt, ist die landesweite „Wasserschlacht“. Überall an den Straßen stehen Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die die Passanten mit Wasser nass spritzen. Vor allem die unzähligen Motorradfahrer:innen bekamen davon am meisten was ab. Auch wir wurden traditionell erst mit Babypuder im Gesicht eingerieben und nass gemacht. Im Hotel in Phnom Penh schmissen sich am Nachmittag die Mitarbeiter:innen gegenseitig in den Pool, was wirklich lustig war. Die Khmer, so werden die Einheimischen in Kambodscha bezeichnet, waren einfach gut drauf. Zu uns waren alle Menschen immer richtig nett und hilfsbereit. Die Menschen begegneten uns stets mit guter Laune, sodass wir uns wirklich willkommen fühlten.

Wenn wir dachten, wir hätten in Vietnam schon viele Mopeds/Motorräder auf den Straßen gesehen, so wurde der Verkehr in Kambodscha wirklich nochmal deutlich mehr. Auf den Straßen fuhr wirklich jedes erdenkliche Gefährt, ständig wurde irgendwer überholt, überall hörte man Hupen in den verschiedensten Lautstärken und Klangfarben und die Gefährte waren teilweise bis ans Limit beladen. Trotz diesem augenscheinlichen Chaos auf den Straßen funktionierte alles reibungslos.

In Phnom Penh schauten wir uns nicht sehr viel an und vieles war auch aufgrund des Neujahrs geschlossen. Da es jeden Tag 35°C heiß war und die Stadt kaum Schatten bot, verbrachten wir viel Zeit in unserem klimatisierten Zimmer.

Unsere schönste Zeit verbrachten wir dann etwas weiter westlich in Siem Reap. Wir hatten ein super schönes Hotel mit Pool und besichtigten drei Tage lang die berühmte Tempel-Stadt Angkor Wat.

Den ersten Tag machten wir alles zu Fuß. Ganz früh morgens gingen wir zum rechten Teich gegenüber des Haupttempels mit dem gleichen Namen Angkor Wat. Es war Stock dunkel, nur jede Menge Mücken schwirrten herum. Das Mückenspray, das wir in Vietnam gekauft hatten, wirkte wahre Wunder, denn wir wurden überhaupt nicht gestochen. Wir setzten uns an den Teich mit einigen anderen Touristen und warteten auf den Sonnenaufgang. Wir sahen zwei Flughunde am Himmel fliegen und im Dschungel verschwinden, einige Fledermäuse waren auch zu sehen und je heller es wurde, desto mehr Schwalben flogen umher. Es war wunderschön, wie sich langsam der riesige Tempel aus dem Dunkeln erhob und sich im Wasser spiegelte. Andächtig schauten wir dem Schauspiel der Natur zu. Es war einfach magisch.

Angkor Wat

Auch die vielen Tempel, die wir an diesem und den nächsten beiden Tagen besichtigten, erzählten auf wundersame Weise von einer längst vergangenen Zeit. Viele der Tempel waren teilweise eingestürzt und in der Zeit der „roten Khmer“ beschädigt worden. Einigen Figuren, Buddhas und Wandverzierungen fehlte der Kopf oder sie waren ganz ausradiert. Jeder der Tempel war anders. Manche in eher rötlicher Farbe, andere waren durch die Zeit fast schwarz. 

Um Angkor Wat zu besichtigen, sollte man schon sehr fit sein. Die vielen steilen Treppen sind nicht ohne und auch die Wege, die man am Tag zurücklegt sind oft über 12 km lang und das gesamte Gelände ist riesig. Dazu kamen bei uns die hohen Temperaturen von um die 35°C und viel Schatten konnte man sich wirklich nicht erhoffen. Drei Tage nacheinander gingen wir an unsere körperlichen Grenzen. Die Schönheit dieser Tempel gab uns diese Kraft und für mich ging mit Angkor Wat ein Traum in Erfüllung.

Kambodscha hat uns beiden sehr gut gefallen und es gibt hier noch so viel mehr zu entdecken. Es gibt große Naturschutzgebiete mit besonderen Vogelarten, die ich mir vielleicht irgendwann einmal ansehen möchte. Die Offenheit und Herzlichkeit der Khmer macht dieses Land zu etwas ganz besonderem. Die Kinder auf der Straße, die auf einen zukommen und einfach ein „high five“ möchten und sich so sehr freuen, werde ich wohl für immer in meiner Erinnerung behalten.

Mit Kambodscha neigt sich unsere Reise durch Südostasien dem Ende zu. Knapp vier Monate sind wir schon unterwegs. Als wir am 21. April 2023 nach Bangkok fahren (nachdem wir drei Stunden in der Schlange bei 37°C stehen mussten, um unseren Einreisestempel zu bekommen), fühlt sich Thailand auf einmal ganz anders an. So aufgeräumt und vergleichsweise sauber. Viel weniger Motorräder fahren auf den Straßen, es stehen kaum Hütten an der zweispurigen Straße und wir realisieren jetzt erst so richtig, wie anders Thailand doch ist. Als wir im Januar das erste Mal hier waren, dachten wir, dass Bangkok schon auch arm ist. Mit all den Erfahrungen der vergangenen Wochen blicken wir nun ganz anders auf die Stadt. Unsere Wahrnehmung hat sich komplett verändert.

Wir wissen aber auch, dass das nur ein kleiner Vorgeschmack auf das ist, was wir in wenigen Tagen sehen werden. Neuseeland wird da sicher eine ganz neue Erfahrung sein und ich bin gespannt, wie es sich anfühlen wird, wieder in einem reichen Land zu sein.

Ich erinnere mich noch gut: Als ich vor fast fünf Jahren nach einem Jahr Argentinien nach Deutschland zurückkam, brauchte ich so viel länger mich wieder einzugewöhnen als anders herum.

Alles Liebe für euch!

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