Genau dieser Satz hat mich sehr zum Nachdenken gebracht. In einer Welt, in der die sozialen Medien kaum noch wegzudenken sind und wir Bilder und Eindrücke vermittelt bekommen, die nur kleine Ausschnitte oder bearbeitete Realitäten sind, habe ich immer öfter das Gefühl, das wir zu Menschen werden, die in einer Parallelwelt leben, die kaum noch etwas mit der echten Welt zu tun hat. Auch ich habe vor unserer Reise Menschen auf Instagram oder YouTube verfolgt, die auf Reisen gegangen sind und erzählten, was es mit ihnen gemacht hat. Jede Geschichte ist individuell und jede Person teilt das im Internet, was sie gerne teilen möchte. Dabei entsteht für den Konsumenten ein Bild, das nicht unbedingt der Wahrheit entspricht.
So dachte ich zum Beispiel, dass es in Asien sehr leicht sein muss, sich vegan zu ernähren, weil ich viele tolle vegane Gerichte auf Fotos gesehen hatte, die Reiseblogger:innen aus Asien teilten. In Wahrheit war es aber ganz anders und es war wirklich schwer, solche veganen Restaurants zu finden. Das ist nur ein Beispiel von vielen.
Mir war immer bewusst, dass all die schönen Reisedokumentationen nur ein Teil einer Reise sind und nie die ganze Wahrheit zeigen können und trotzdem hatte ich eine andere Vorstellung vom Reisen, als sie tatsächlich war.
Als ich begann, mich mit der Frage auseinanderzusetzen: „Wessen Traum lebst du eigentlich?“, wusste ich irgendwann, dass ich das Gefühl hatte, reisen zu wollen, weil ich es mir so schön vorstellte. Klar, ich wusste auch, dass es anstrengend wird, dass mal nicht alles nach Plan laufen wird. Ich stellte jedoch fest, dass es eigentlich nicht wirklich mein Traum ist, um die Welt zu fliegen und fremde Länder kennenzulernen. Denn es gab da etwas, dass mir eigentlich noch viel wichtiger war.
An dieser Stelle möchte ich kurz festhalten, dass ich wirklich nichts an dieser Reise bereue, denn diese Erfahrung hat mich ja erst zu dieser Erkenntnis gebracht und natürlich hatten wir bisher eine wunderschöne Reise und durften wichtige Erfahrungen für unser Leben sammeln.
Über das Thema Umweltschutz habe ich immer wieder mal hier auch geschrieben. Auf unserer Reise wurden wir noch einmal mehr damit konfrontiert, was es bedeutet, wenn Menschen auf Wachstum, Geld und Macht aus sind. Die Folgen sind unübersehbar. Der Müll, der dadurch entsteht, ist ein riesiges Problem, die Emissionen sind gewaltig, die Natur und die Böden werden zerstört, Tiere sterben aus…
Natürlich wusste ich auch schon vor unserer Reise davon, aber das Verlangen raus in die weite Welt zu gehen, war größer. Ich bin mir dessen bewusst gewesen und doch habe ich dieses Problem ausgeblendet. Ich wollte raus aus Deutschland und mich mit anderen Themen beschäftigen, aber es ging nicht. Die Probleme, die es vor einer Reise gibt, bleiben ja nicht einfach zu Hause, sondern sie reisen mit und tauchen immer wieder auf.
Auf unserer Reise haben wir versucht, so umweltfreundlich wie uns möglich war, zu reisen. Dennoch haben wir gefühlt so viel Müll produziert, wie sonst nie und sind mit dem Flugzeug geflogen. Das fühlt sich sehr falsch an. Und trotzdem denke ich, dass das Leben natürlich auch Freude machen darf. Ich finde, dass wir es uns bewusst schön machen dürfen, die Frage ist nur, zu welchem Preis? Gibt es nicht auch andere Dinge, die uns glücklich machen, als munter durch die Welt zu reisen?
Diese Frage kann ich definitiv mit Ja beantworten.
Das Ende unserer Weltreise?
Diese Thematik haben Jannis und ich ausführlich diskutiert und wir sind zu einem Entschluss gekommen. Wir werden bis Anfang August Neuseeland im Campervan bereisen und danach nach Deutschland zurückkehren. Zu dieser Entscheidung haben aber auch unsere Finanzen beigetragen. Die Ausgaben in Neuseeland sind sehr hoch und das, was man sparen kann, ist nicht gerade sehr viel. Ursprünglich wollten wir bis Anfang November in Neuseeland bleiben und davon vier Monate arbeiten und zwei Monate reisen. Im Anschluss wollten wir nach Nepal und Indien und zu Weihnachten nach Hause kommen. Tatsache ist, dass die Unterkünfte sehr teuer und die Ausgaben für Essen in Neuseeland extrem hoch sind. Neuseeland dann zu bereisen ist natürlich auch nicht gerade günstig, weil man hier schon sehr auf ein eigenes Gefährt angewiesen ist. Dann noch einen Flug nach Asien, die Reise in Asien und den Rückflug zu finanzieren, wäre für uns nicht machbar gewesen. Dafür hätten wir deutlich länger in Neuseeland bleiben und arbeiten müssen. Das haben wir aber irgendwie nicht so gefühlt. Ich hatte schon mein Auslandsjahr in Argentinien und noch ein zweites möchte ich irgendwie nicht machen.
Also haben wir entschieden unsere Reise im August vorerst zu unterbrechen, wieder zu arbeiten und mehr Richtung Umweltschutz zu gehen. Wir träumen davon, in den nächsten Monaten mit dem Fahrrad Europa zu erkunden und wer weiß, vielleicht fahren wir ja sogar bis Nepal und Indien.
Unsere Entscheidung hat sich trotzdem erstmal komisch angefühlt. Wir wussten beide, dass es so richtig ist und dennoch sind wir kürzer gereist, als wir es uns immer vorgestellt haben. Aber wir haben auch immer gesagt, dass wir auf Reisen gehen und offen sind, für alles was kommt. Wir haben uns nicht festgelegt und ich glaube, dass war genau richtig so.
Was man dazu sagen muss, ist, dass man natürlich auch deutlich günstiger noch reisen kann, als wir es gemacht haben. Wir haben zum Beispiel jemanden getroffen, der im Zelt immer geschlafen hat und so natürlich deutlich weniger bezahlt hat, als wir für unsere Wohnung. Die Idee mit dem Zelt hatte ich auch, aber im Nachhinein sind wir schon froh, dass wir die Wohnung hatten, während wir wirklich fast täglich hart gearbeitet haben.
Die nächsten Tage werden wir hier die Gegend um Tauranga erkunden, worauf wir uns schon sehr freuen.
Danach geht es siebeneinhalb Wochen mit dem Camper durch Neuseeland. Das wird für uns eine ganz neue Erfahrung, aber wir freuen uns da schon sehr drauf!
Bis ganz bald!
Eure Alva
